Die Inselwelt vor der Küste Südwest Floridas ist ausgesprochen vielseitig. Das Angebot reicht von winzigen Mangroveninseln, unbewohnten Naturreservaten, tropischen Obstanbaugebieten, voll erschlossenen touristischen Mekkas bis hin zu Privatinseln, wo sich die Elite tummelt. Während die durch Brücken mit dem Festland verbundenen Inseln bestens bekannt sind, gibt es eine Reihe von Inseln entlang der Küste, die nur auf dem Wasserwege zu erreichen sind und daher nicht unbedingt auf der touristischen Tagesordnung stehen.
Cabbage Key - Useppa Island - North Captiva Island und Cayo Costa
Jede dieser Inseln ist auf ihre Weise einmalig und obwohl sie relative nahe beieinander liegen, weist doch jede einen deutlich anderen Charakter auf.
Zum Lunch nach Cabbage Key
„Sie werden heute nichts als tropische Inseln zu Gesicht bekommen!“ verspricht der Kapitän vom Captiva Cruises Ausflugsboot. Ein Blick auf die Karte bestätigt dies: wir befinden uns mitten im Pine Island Sound, einem Paradies für Bootsfahrer, und kein Stück Festland ist in Sicht. Links liegt Captiva Island, rechts erstreckt sich Pine Island und das Gewässer dazwischen ist mit vielen kleinen Inseln uebersaet. Nicht umsonst zählt dies zu den beliebtesten „Cruising“ Gebieten der Erde: durch die vorgelagerten Barrierinseln sind diese Gewässer äusserst gut geschützt und bieten ein abwechslungsreiches Revier.
Wer nicht das Glück hat im Besitz eines eigenen Boots zu sein, kann jedoch auf das andere Mittel zurückgreifen: Fähren, Wassertaxis und Ausflugsboote. Das Boot der Captiva Cruises legt täglich von der Marina des South Seas Plantation Resort, an der Spitze der Insel Captiva, ab. Eine fuenfstuendige Rundfahrt bringt einen entweder nach Cabbage Key oder Useppa Island, die beide dicht nebeneinander liegen - Sie haben die Qual der Wahl. Auf der Insel haben Besucher jeweils zwei Stunden Aufenthaltszeit und Möglichkeiten zum Lunch in einem Inselrestaurant, ehe es wieder zurück geht.
Beiden gemein ist die herrliche An- und Abfahrt, bei der man vom Oberdeck einen guten Blick auf die Inselwelt um sich herum hat. Ein Crewmitglied erklärt auf der Hinfahrt die Umgebung: von der ökologischen Bedeutung von Pine Island Sound, über die Geschichte der indianischen Ureinwohner, die Folgen eines grossen Hurrikans in den 1920er Jahre (wobei North Captiva Island entstand - es war vorher mit dem Rest von Captiva verbunden) bis hin zu wissenswerten Dingen über Flora und Fauna, die wir unterwegs begegnen. Dazu gehören natürlich die allzeit beliebten Delphine, die gerne die Bugwelle der Boote zum Spielen nutzen.
Der erste Stopp ist Cabbage Key. Nun sind wir also gestrandet! In dem winzigen Hafen ist der Baer los - es ist Sonntag, ein wunderschöner strahlender Tag mit perfektem Bootswetter und entsprechend hatten wohl viele Leute dieselbe Idee: „ Lass uns nach Cabbage Key zum Lunch fahren!“
Cabbage Key ist eine private Insel und wie der Name andeutet nicht besonders gross … Im Grunde befindet sich hier hauptsächlich das Cabbage Key Inn, ein Restaurant mit einigen Cottages zum Vermieten, sowie eine Hand voll Privathaeuser, in denen die Eigentümer und einige der Angestellten leben. Das Haupthaus wurde von der Schriftstellerin Mary Roberts Rinehart errichtet, die die Insel in den 20er Jahren für $ 2,500 erstand und zunächst als ihr Winterdomizil nutzte. Erst später wurde es als Inn ausgebaut. Das Haus zeichnet sich durch interessante architektonische Besonderheiten aus: es verfügt über sechs Kamine, einen Sturmschutzraum, ein Solarenergiesystem sowie eine riesige Zisterne im Fundament eingebaut. Strom kam einst vom Generator, später wurde ein Unterseekabel auf die Insel verlegt. So ein Inselleben war einst ziemlich abgeschieden.
Die wohl bekannteste Attraktion auf Cabbage Key ist die Bar, in der tausende von signierten Dollarscheinen an Decke, Wänden und sonstigen unbenutzten Oberflächen hängen und kleben. Die Story dazu besagt, dass früher die Fischerleute - regelmässige Stammkunden des Bar - stets einen Dollarschein mit ihrem Namen hier hinterliessen, wann immer sie etwas Geld übrig hatten. Um in den mageren Zeiten darauf zurückgreifen - sozusagen eine Art Kreditsystem. Und der Barkeeper hatte wohl keine bessere Idee, als diese Scheine an die Wand zu pinnen, bis sie eingelöst wurden… Heute gehört es zum guten Ton, sich hier auf diese Weise zu verewigen und wer sich die Zeit nimmt um ein wenig zu stöbern, findet Besucher aus aller Welt hier „kleben“.
Während der Wintersaison und an Wochenenden ist hier so viel los, dass man leicht eine halbe Stunde oder länger auf seinen Platz warten kann. Es lässt sich aber gut aushalten: auf der Terrasse im Schatten der Poincianas und Palmen zu sitzen und dem emsigen Kommen und Gehen im kleinen Hafen zuzuschauen, ist recht kurzweilig. Das Cabbage Key Inn ist auf einem sogenannten „Shell Mound“ gebaut, den allgegenwärtigen Abfallhaufen der Calusa Indianer, die früher dieses Gebiet beherrschten. Mit seinen 1,5 Metern ist der Haufen aus Muschelschalen eine der höchsten Landerhebungen in Südwest Florida. So hat man hier also die seltene Erfahrung bergauf zu gehen und kann vom Restaurant aus einen wirklich guten Blick geniessen. Wem dies nicht ausreicht, der kann zusätzlich noch den alten Wasserturm erklimmen.
Fahrzeit mit dem Boot: ab Marker 101 (nach der Manatee Zone) ca. 2 Stunde bei einer Geschwindigkeit von 15m/h
